Stadttangente Bern Nord
 

FAQ zu Autobahnbaustellen

 
 
 

Wieso sind Baustellen überhaupt nötig?
Wann müssen Strassen erneuert werden?
Warum gibt es immer mehr Baustellen auf Schweizer Autobahnen?
Sind die Schweizer bezüglich Autobahnsanierungen Perfektionisten?
Was wird getan, um den Verkehr trotz Baustelle möglichst flüssig zu halten?
Was können die Automobilisten beitragen?
Wieso werden für einzelne Unterhaltsarbeiten ganze Teilstücke als Baustelle signalisiert (Temporeduktion, Fahrstreifenverengung etc.)?
Man hat den Eindruck, dass auf den abgesperrten Baustellen nicht gearbeitet wird.
Wieso bleiben Autobahnbaustellen noch abgesperrt, nachdem sie schon lange «fertig» aussehen?
Wie kann die Bauzeit verkürzt werden?
Wieso wird nicht häufiger nachts gearbeitet?
Was bedeutet Nachtarbeit für die Bauarbeiter?
Ist Nachtarbeit wegen des geringen Verkehrsaufkommens nicht einfacher?

 

Warum wird im Baustellenbereich Tempo 60 signalisiert?

Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h im Baustellenbereich gibt da und dort zu Diskussionen Anlass. Der wichtigste Grund für Tempo 60 ist die Sicherheit. Ein einheitliches Tempolimit von 60 km/h im ganzen Baustellenbereich verflüssigt zudem den Verkehr. Eine weitere oft gehörte Frage: auf anderen Baustellen ist Tempo 80 signalisiert, auf der Baustelle der Stadttangente aber Tempo 60, wieso das? Es gibt viele Faktoren, die das maximal zulässige Tempolimit bestimmen: Fahrbahnbreite, Platzverhältnisse, Abstand zu den Bauarbeiten, Kurvenradien, Länge der Einfahrts- und Ausfahrtsspuren etc. Die Verhältnisse auf der Baustelle der Stadttangente Bern geben uns in vielen Bereichen Tempo 60 vor. Aus Sicherheitsgründen, und um einen guten Verkehrsfluss zu gewährleisten, wird im ganzen Baustellenbereich einheitlich Tempo 60 signalisiert. 

 
Wieso sind Baustellen überhaupt nötig? Strassen im Allgemeinen und Nationalstrassen im Besonderen brauchen Pflege und Unterhalt. Es versteht sich von selbst, dass nicht alle diese Arbeiten erledigt werden können, ohne den Verkehr zu beeinträchtigen.
Diese Arbeiten betreffen einerseits den betrieblichen Unterhalt, zu dem neben der Grünpflege und dem Winterdienst auch die Reparatur kleinerer Schäden gehört. Andererseits erfordern Strassen nach einer durchschnittlichen Betriebsdauer von 25 Jahren baulichen Unterhalt. Darunter fallen kleinere Arbeiten bis umfassende Erneuerungen von Autobahnabschnitten, welche von den Autobahnbenutzenden als längere Baustellen wahrgenommen werden.

Wann müssen Strassen erneuert werden? Die Lebensdauer der Strassen hängt in erster Linie vom Belag ab. Asphaltbeläge halten durchschnittlich 10 Jahre, Betonbeläge etwa 25 Jahre. Wird mit Sanierungsarbeiten zu lange gewartet, verschlimmern sich die Schäden rasch und die Kosten steigen exponentiell.
Neben dem Belag spielt auch das Verkehrsaufkommen eine Rolle. Dieses ist in den letzten Jahren stark gestiegen.
Da die Bauarbeiten wetter- und klimaabhängig sind, wird im Idealfall zwischen April und Oktober gebaut. Im Winter werden – wie überall nördlich der Alpen – nur in Ausnahmefällen Strassen saniert.

Warum gibt es immer mehr Baustellen auf Schweizer Autobahnen? Der Verkehr hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Demzufolge leiden auch die Beläge mehr als noch vor 10 Jahren, insbesondere durch den Schwerverkehr. Hinzu kommt, dass die heutigen Autobahnen fast alle aus der Pionierzeit der 60-er und 70-er Jahre stammen. Viele Autobahnabschnitte mussten bereits in den letzten Jahren aus Altersgründen umfassend erneuert werden, weitere Erneuerungsprojekte stehen noch an.

Die heutigen Umweltvorschriften sowie die Störfallverordnung und andere Sicherheitsmassnahmen müssen bei den Sanierungsarbeiten eingehalten werden. Sie lösen vor allem auch zusätzliche Arbeiten aus, womit sich der Aufwand vergrössert.

Sind die Schweizer bezüglich Autobahnsanierungen Perfektionisten? Belagssanierungen sind kein Luxus, sondern ein Gebot der Verkehrssicherheit. Aus einer Kundenumfrage des Tiefbauamtes Kanton Bern von 2002 geht hervor, dass lediglich 20% der Befragten den Unterhalt der Nationalstrassen als zu perfektionistisch erachten. Für 70% ist der Aufwand angemessen. Befragt wurden Leute aus der Bevölkerung, Gemeinden, Bau- und Dienstleistungsunternehmen sowie professionelle Strassenbenützende.
Beim Bau von Autobahnen hat man in der Schweiz mit grossen Temperaturschwankungen zu kämpfen. Im Hochsommer kann sich ein Belag bis auf die 70 °C erhitzen, während im Winter Temperaturen von –20 °C vorkommen. Diese Schwankungen erfordern Material, welches dies aushält. Es darf nicht zu hart, aber auch nicht zu weich sein. Südlichere Länder haben dieses Problem nicht.

Was wird getan, um den Verkehr trotz Baustelle möglichst flüssig zu halten?
  • Die Verkehrsbehinderungen durch Baustellen werden so weit als möglich minimiert. Ein Spurabbau wird nur in verkehrsarmen Zeiten toleriert, so dass generell immer 2x2 Spuren zur Verfügung stehen.
  • Arbeiten des Werkhofes zur Änderung der Verkehrsführung sind gefährliche Arbeiten und oft Ursache für grössere Behinderungen. Häufige Umstellungen werden deshalb auch im Interesse der Automobilisten vermieden und die Dauer dieser Arbeiten auf möglichst kurze Zeit beschränkt.
  • Die Autobahnbenutzenden werden auf geeignete Weise über die Besonderheiten der einzelnen Baustellen informiert. Je mehr die Automobilisten über die Bauprojekte und deren Notwendigkeit wissen, umso mehr Verständnis kann man sich von ihnen erhoffen.

Was können die Automobilisten beitragen? Gleichmässig und fliessend fahren hilft Staus vermeiden. Das Einhalten der Höchstgeschwindigkeiten und eine erhöhte Aufmerksamkeit vermeiden Unfallgefahren.
Verzichten Sie für kürzere Strecken auf das Auto und benutzen Sie den ÖV oder das Velo. Meiden Sie die Stosszeiten morgens und abends. Früheres Losfahren verhindert Hektik und Termindruck. Mehr Gelassenheit schont Ihre Nerven und mindert Aggressionen im Strassenverkehr.

Wieso werden für einzelne Unterhaltsarbeiten ganze Teilstücke als Baustelle signalisiert (Temporeduktion, Fahrstreifenverengung etc.)? Das Projekt «Unterhaltsplanung Nationalstrassen» hat die Grundlage dafür geschaffen, dass einzelne Bauarbeiten in längere Erhaltungsabschnitte von höchstens 15 km zusammengefasst werden können, um häufig wiederkehrende Verkehrseinschränkungen vermeiden zu können. Innerhalb der nächsten 30 km darf jedoch keine weitere Verkehrsbehinderung in Folge einer Baustelle folgen. Die abgesperrten Fahrspuren werden häufig als Transport- und Logistikpisten für Lieferungen benötigt. Das Ziel dieser Vorgaben ist, in den folgenden 10 Jahren auf dem entsprechenden Abschnitt eine Fahrt ohne wesentliche Behinderungen durch Baustellen zu garantieren.

Man hat den Eindruck, dass auf den abgesperrten Baustellen nicht gearbeitet wird. Die Einrichtung der Verkehrsführung bei Baustellen ist eine aufwändige und gefährliche Arbeit, weshalb häufige Umstellungen vermieden werden. Innerhalb eines Abschnittes können Arbeiten nötig sein, die unterschiedlich lange dauern können. Während die eine Arbeit abgeschlossen ist, können die anderen noch andauern. Das kann bei den Automobilisten den Eindruck erwecken, es werde nicht gearbeitet.
Ausserdem sind die meisten Arbeiten wetterabhängig. Schlechtes Wetter kann zu Unterbrüchen führen und die Arbeiten lahm legen.

Wieso bleiben Autobahnbaustellen noch abgesperrt, nachdem sie schon lange «fertig» aussehen? Baustellen sehen oft «fertig» aus, obschon noch weitere Bauetappen fällig werden oder Abschlussarbeiten anstehen.
Die Aushärtungszeit des Materials muss eingehalten werden, sonst entstehen Spurrinnen.
Zudem werden häufige Wechsel der Verkehrsführung bei Baustellen möglichst vermieden, um die Autobahnbenützenden nicht zu irritieren.

Wie kann die Bauzeit verkürzt werden? Wenn bei stark belasteten Strassen Verkehrseinschränkungen regelmässig zu Stau führen, wird vom Unternehmer ein Schichtbetrieb verlangt. Damit kann im Zwei-Schichtbetrieb in den Sommermonaten das Tageslicht optimal ausgenützt werden. Es eignen sich jedoch nicht alle Arbeiten dafür. Die Übergabe von angefangenen Arbeiten ist problematisch und gefährdet die Qualität. Auch Zulieferwerke und Bauleitung müssen während der ganzen Arbeitszeit verfügbar sein. Der Schicht-Betrieb erfordert Bewilligungen und ist aus organisatorischer Sicht nur für begrenzte Zeit möglich.

Ein durchgehender Schichtbetrieb über 24 Stunden wird auf grossen Tunnelbaustellen mit eigener Infrastruktur (Betonfabrik, Unterkünfte, Werkstätten etc.) praktiziert. Im Strassenunterhalt ist er eine Ausnahme und kommt nur in besonderen Fällen mit kritischer Verkehrsführung vor.

Wieso wird nicht häufiger nachts gearbeitet? Gegen eine Intensivierung der bereits bestehenden Nachtarbeit gibt es mehrere Gründe:
  • Die Qualität kann nicht bei allen nächtlichen Bauarbeiten gewährleistet werden. So ist z. B. ein sauberer Belagseinbau ohne Nahtstellen bei Tag wesentlich einfacher machbar.
  • Die Schweiz ist ein sehr dicht besiedeltes Land. Nächtlicher Baulärm stört die Anwohnerschaft nahe der Autobahn.
  • Nachtarbeit erhöht die Kosten für die Bauarbeiten enorm. Nötig ist auch zusätzliche Infrastruktur wie z. B. die Beleuchtung.

Was bedeutet Nachtarbeit für die Bauarbeiter? Bauarbeiter sind nachts höheren Sicherheitsrisiken ausgesetzt, da Sicht und Überblick eingeschränkt sind. Die Sicherheit der Bauarbeiter muss oberste Priorität haben.
Zudem ist die regelmässige, gefährliche Nachtarbeit auf Autobahnen eine enorme Belastung. Die Arbeiter sind immer noch Menschen und keine Maschinen. Mit der Bewilligungspflicht wird die Häufigkeit von Nachtarbeit auf das notwendigste Mass reduziert.

Ist Nachtarbeit wegen des geringen Verkehrsaufkommens nicht einfacher? Nein, leider wird nachts auf Autobahnen sehr oft zu schnell und rücksichtslos gefahren. Dies macht die Arbeit für die Bauarbeiter noch gefährlicher. Nachtarbeit auf Autobahnbaustellen erfordert auch Nachtarbeit in den Werken, aus denen das Material stammt und anderen Betrieben, die am Bau beteiligt sind.